MAN hat erneuten Sparkurs angekündigt

Kundgebung bei MAN in Salzgitter: Beschäftigte protestieren gegen angekündigten Stellenabbau

  • 15.09.2020
  • News

Hannover/Salzgitter – Mit einer Kundgebung vor dem Haupttor des MAN-Werks in Salzgitter verliehen heute Mittag 1.800 Beschäftigte ihrem Protest gegen die Ankündigung der Unternehmensleitung lautstark Ausdruck, bundesweit 9.500 Arbeitsplätze abbauen zu wollen. Das Unternehmen behauptet, die Herausforderungen der Zukunft seien ohne diesen heftigen Einschnitt nicht zu bewältigen.

Bezirksleiter Thorsten Gröger sprach sich auf der Kundgebung klar gegen den angekündigten Stellenabbau aus und fand deutliche Worte für das Management: „Das Unternehmen plant einen Kahlschlag sondergleichen und willmehr als ein Viertel aller Stellen abbauen. Kahlschlag, Standorte in Frage stellen, Jobs streichen: Das ist weder klug, noch ist es ein Konzept für die Zukunft, das ist ein Blindflug.“

 

Gröger erinnerte an eine Gesamtbetriebsvereinbarung sowie einen Standortvertrag, der betriebsbedingte Kündigungen bis zum Jahr 2030 ausschließt. Er forderte die Unternehmensleitung auf, sich an diese nach wie vor gültigen Vereinbarungen zu halten: „Der Standorttarifvertrag ist als Rettungsring für schlechte Zeiten gedacht und nicht dafür, beim ersten Anzeichen eines Sturms einfach über Bord geworfen zu werden.“

 

Die IG Metall Salzgitter-Peine zum Hintergrund:

 

Seit 2012 ist MAN Nutzfahrzeuge Teil der VW-Gruppe. Als Verstärkung der LKW-Sparte mit Scania und VW zusammen eine gute Idee. Seit mehreren Jahren bestimmen bei MAN Sparprogramme den Kurs. Der Vorstand war und ist nicht fähig diese Situation zu meistern. Vorstände wurden ausgewechselt, ein Sparprogramm jagt das nächste und ein Ende ist nicht in Sicht.

 

Neben der Beschäftigungssicherung über alle Werke hinweg bis 2030 wurden damals an den jeweiligen Standorten Vereinbarungen abgeschlossen, die eine Zukunft für die Standorte mit entsprechenden Zusagen bedeutete. Der Vorstand spricht jetzt davon, diese nötigenfalls auch zu kündigen und sich von den Standortverträgen zu distanzieren.


Für Salzgitter wurde 2015 im Standortvertrag vereinbart, eine Beschäftigtenzahl von 2.552 Kolleginnen und Kollegen festzulegen, und den Standort von einem LKW-bauenden Standort zu einem Komponentenwerk für Achsen, Kurbelwellen etc. mit Logistikanbindung zu wandeln.
Wir erinnern uns, das Salzgitter bereits 2007/08 die Produktion Busfertigung NEOMAN aufgeben musste, also für LKW´s und Komponenten umgebaut wurde.


Der Vorstand der MAN hat am Freitag letzter Woche den Wirtschaftsausschuss und die Vorsitzenden der MAN-Standorte über einen neuen Kurs informiert. Die Rede ist davon 9.500 Beschäftigte abzubauen. Sogar von Standortschließungen ist die Rede.
Mit dieser Information an die Betriebsräte ist gleichzeitig eine Pressemitteilung an die Öffentlichkeit herausgegeben worden und die Belegschaften der zu schließenden Standorte wurden zugleich informiert.


„Es ist ein Skandal, in dieser Art und Weise, die betrieblichen Mitbestimmungsorgane zu hintergehen und Fakten zu schaffen. Wir werden uns auf jeden Fall zu wehren wissen und fordern das alle Verträge eingehalten werden!“ sagt Brigitte Runge, 2. Bevollmächtigte der IG Metall Salzgitter-Peine und Betreuerin der MAN Truck & Bus SZ.

 

Elke Behmer-Geisler, Betriebsratsvorsitzende MAN Truck & Bus SZ weist außerdem darauf hin: „Die Beschäftigten haben ihre Seite der Verträge eingehalten und fordern den Vorstand auf, ihre Versprechen, die in den Standortverträgen verankert sind, zu erfüllen.“
Die Belegschaft muss deshalb auf diese Situation – auch in Corona-Zeiten – vorbereitet werden und Kenntnis darüber bekommen, was der Vorstand der MAN jetzt mit den etwas mehr als 37.000 Beschäftigten, aber auch mit Salzgitter vorhat.