Den Strukturwandel gestalten

IG Metall und Politik über Beschäftigungssicherung und Weiterbildung

  • 08.10.2020
  • News

Hannover/ Magdeburg - »Wir brauchen ein Bündnis gegen die Krise«, so lautete der Tenor einer Fachtagung der IG Metall am Donnerstag im Alten Theater in Magdeburg. Dort diskutierten rund 50 Betriebsrätinnen und Betriebsräte über Mitbestimmung und Beschäftigungssicherung in Corona-Zeiten.

Prominente Redner waren neben dem Bezirksleiter der IG Metall Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, Thorsten Gröger, der Geschäftsführer der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen von der Bundesagentur für Arbeit, Markus Behrens sowie die Ministerin für Arbeit, Soziales und Integration des Landes Sachsen-Anhalt, Petra Grimm-Benne. Schnell wurde deutlich, dass Politik und Gewerkschaften in den vergangenen Monaten mit den Regelungen zur Kurzarbeit gemeinsam dafür Sorge getragen haben, dass Arbeitsplätze und Entgelte für die Beschäftigten gesichert bleiben.



Gute Arbeitsbedingungen mit Tarifbindung

Die Ministerin betonte in ihrem Beitrag, dass betriebliche Mitbestimmung für die Landesregierung von hoher Bedeutung sei. „Gerade Krisen wie die Corona-Pandemie machen deutlich, dass pragmatische Ansätze auf betriebliche Ebene gebraucht werden“, so Grimm-Benne.

 

Mitbestimmung in den Unternehmen helfe dabei, die Akzeptanz für eine flexible Arbeitszeitgestaltung, für Lösungen im Home Office und für Kurzarbeit zu erhöhen. Die Ministerin ging auch auf die Fachkräftesicherung als große Herausforderung unabhängig von der Corona-Pandemie ein. Gute Arbeitsbedingungen mit Tarifbindung seien die besten Werbung um Fachkräfte. Darüber hinaus engagiere sich das Land mit verschiedenen Programmen zur Beschäftigungssicherung wie Weiterbildung Betrieb, über das Unternehmen unter anderem finanziell gefördert werden, wenn sie ihre Beschäftigten weiterbilden oder höherqualifizieren.



Arbeitszeitreduzierung für den Strukturwandel

 

„Die Ereignisse der letzten Monate geben der IG Metall Rückenwind für die anstehende Tarifrunde“, sagt IG Metall-Bezirksleiter, Thorsten Gröger. „Jetzt müssen wir das Wirtschaftsleben und den Konsum wieder ankurbeln. Auch deshalb werden wir in den anstehenden Tarifverhandlungen eine Entgeltforderung aufstellen.“

 

„Darüber hinaus müssen wir dem Strukturwandel in der Arbeitswelt begegnen“, fordert Gröger. „Deshalb hat die IG Metall die Idee einer Vier-Tage-Woche als tarifliche Option ins Spiel gebracht. Wir brauchen Werkzeuge, um eine mittel- bis langfristige Unterauslastung in Unternehmen bewältigen zu können. Denn weder Corona, noch die Transformation dürfen zum Kahlschlag, sondern müssen zu guter Arbeit mit Perspektiven für alle führen. Dazu gehört Beschäftigungssicherung und zwingend eine Qualifizierungsoffensive für die Arbeitswelt von morgen. Eine Reduzierung der Arbeitszeit könnte beides ermöglichen.“

 

Gleichfalls könnte eine Vier-Tage-Woche auch eine Lösung für die geforderte Arbeitszeitverkürzung auf 35 Stunden für Sachsen-Anhalt darstellen: „30 Jahre nach der Deutschen Einheit befinden sich die Arbeitsmärkte in Ost und West endlich auf einem Annäherungskurs – nicht aber, wenn es um die Arbeitszeit geht“, erklärt der Gewerkschafter.  



Geschäftsstrategien statt Kahlschlag 

 

Der IG Metall-Bezirksleiter äußert die Befürchtung, dass Unternehmen die Corona-Krise zunehmend dazu nutzen, Arbeitsplätze abzubauen und ins Ausland zu verlagern: „Wir beobachten immer mehr, dass vor allem Großunternehmen die Krise nutzen, um ihre Rendite auf Kosten der Beschäftigten zu steigern. Selbst bei Unternehmen, die schwarze Zahlen schreiben, wie bei Continental oder MAN, werden Standorte in Frage gestellt. Das ist nicht hinnehmbar“, so der Gewerkschafter weiter. „Wenn das die neue Linie der Unternehmen wird, dann gibt es richtig »Theater« mit der IG Metall.“

 

„Jetzt komme es darauf an“, so Gröger, „dass Arbeitgeber weder die Nerven noch den Anstand verlieren. Gemeinsam müssen sie sich mit den Beschäftigten und deren Gewerkschaft um zukunftsfähige Produkte und Dienstleistungen sowie den Erhalt von Arbeitsplätzen kümmern.“


Rahmenbedingungen für Innovationen

 

Die Politik ist an dieser Stelle gefragt, gute Rahmenbedingungen zu schaffen: Das betrifft vor allem den Aus- und Umbau der Infrastruktur für E-Mobilität, eine CO2-neutrale Stahlindustrie, aber auch Investitionsprogramme für Unternehmen, die in Schieflage geraten sind. „Finanzhilfen von Bund und Land dürfen aber nicht nur über die Corona-Krise hinweghelfen. Diese Investitionen müssen vielmehr dazu führen, dass sich Unternehmen im Sinne ihrer Beschäftigten nachhaltig für die Zukunft aufstellen. Dazu braucht es konkrete Geschäftsstrategien und betriebliche Weiterbildung bei voller Mitbestimmung. Wir werden die Arbeitgeber jetzt konkret auffordern, Qualifizierungspläne zu erstellen sowie staatlich geförderte Weiterbildungsprogramme und Gelder der Bundesagentur für Arbeit auch wirklich abzurufen, um den Beschäftigten mehr Arbeitsperspektiven zu eröffnen“, stellt Gröger abschließend klar.