Das Siegel "Grüner Knopf" ist ein guter Anfang, geht aber nicht weit genug

Saubere Kleidung gibt es nur mit sauberen Arbeitsbedingungen

  • 16.09.2019
  • News, Textil

In Deutschland wird jährlich viel Kleidung neu gekauft – doch nur ein kleiner Teil kommt aus dem eigenen Land. Kleider für den deutschen Markt werden hier entworfen, in Auftrag gegeben und verkauft, aber in Billiglohnländern bestellt, gefertigt und verschifft. Das rechnet sich. Denn die Löhne dort machen hier weniger als zwei Prozent des Ladenpreises aus.

Für die Fabrikanten, den Handel und die Marken ein gutes Geschäft. Den Preis dafür zahlen die Textilarbeiterinnen und Textilarbeiter. In Ländern wie Bangladesch wird Kleidung unter katastrophalen
Bedingungen gefertigt. Dort ist die 90-Stunden-Woche ohne freien Tag ‚normal’.

 

Flexibel und billig um jeden Preis
Arbeitszeiten werden bei Bedarf beliebig ausgedehnt und die Löhne sind so niedrig, dass sie nur knapp das Überleben sichern. Viele Textilfabriken scheren sich nicht um die Gesundheit ihrer Beschäftigten und umgehen Sicherheitsbestimmungen.

 

Sie produzieren konkurrenzlos billig und die Textilwirtschaft hat den Großteil der Produktion in Billiglohnländer wie China, Bangladesch, Indien, Kambodscha oder die Türkei verlagert. Für Gewinn um jeden Preis: 2013 beim Einsturz der Textilfabriken im ‚Rana Plaza’-Gebäudekomplex wurden 1135 Menschen getötet und mehr als 2000 verletzt, weil die Besitzer den mangelhaften Bauzustand ignorierten.

 

Weltweit aktiv für Arbeitnehmerrechte
Deutschland ist einer der wichtigsten Märkte für Kleidung und mit den Produktionsstandorten untrennbar verbunden. Was Handel und Marken dort sparen, wird hier zu Profit – durch größere Gewinnspannen und die Auslagerung einer ganzen Industrie. Das betrifft Konsumenten und Arbeitnehmer. Die Beschäftigten für Textil und Bekleidung waren mit die Ersten, die von Produktionsverlagerungen in sogenannte Billiglohnländer betroffen waren. Unter den als >>Globalisierung<< bekannten Prozessen wirtschaften Unternehmen auf dem Weltmarkt zum großen Teil mit menschenverachtenden Methoden: Qualifizierte Arbeit wird unterbezahlt, das Einkommen liegt unter dem Existenzminimum. Überstunden werden damit überlebensnotwendig. Kinderarbeit sichert oft die Existenz der Familien. Der Arbeitsalltag der meist weiblichen Beschäftigten ist geprägt von sexueller Belästigung, Diskriminierung, fehlenden Arbeitsschutz und Unterdrückung. Mit ihrer globalen Beschaffung sind die multinationalen Handelsunternehmen und Markenfirmen für solche menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen verantwortlich. Die IG Metall vertritt die Arbeitnehmerinteressen in der Textil- und Bekleidungsproduktion in Deutschland und unterstützt die Kampagne für "Saubere Kleidung", sowie das Netzwerk "CorA" zur Verbesserung der Arbeits- und Produktionsbedingungen in aller Welt.

 

Was will die Kampagne für "Saubere Kleidung" und das Netzwerk "CorA"?
Die Kampagne "Saubere Kleidung" hat zwei Ziele. Sie will existenzsichernde Löhne und gute Arbeitsbedingungen als soziale Mindeststandards bei den Fabrikanten durchsetzen und auf der anderen Seite den Handel und die Marken verpflichten, nur mit Unternehmen zu kooperieren, die diese Standards einhalten. Ein breites Bündnis steht dahinter: Verbraucher- und Menschenrechtsorganisationen, Frauenvereinigungen, kirchliche Gruppen u.v.m. Die Kampagne arbeitet international und ist Teil der in den Niederlanden gegründeten "Clean Clothes Campaign", kurz "CCC".

 

Die Ideen der Kampagne sind Ideen der Arbeiterbewegung. Klar, dass die IG Metall und ihre Mitglieder die Kampagne für "Saubere Kleidung" von Anfang an begleiteten. Sie ist in der IG Metall fest verankert und Thema auf vielen Konferenzen, quer durch alle Fach- und Branchenbereiche. Sie erreicht in der IG Metall weit über 2 Millionen Menschen, die Einfluss auf die Politik nehmen und Unternehmen dazu bewegen, sich zu ihrer sozialen und gesellschaftlichen Verantwortung zu bekennen.

 

Als Mitglied von "CorA", einem Netzwerk für Unternehmensverantwortung, setzt sich die IG Metall gemeinsam mit "CCC" politisch und rechtlich dafür ein, transnationale Unternehmen verbindlich zu regulieren. Diese müssen dazu verpflichtet werden, Menschenrechte sowie international anerkannte soziale und ökologische Normen und Standards einzuhalten. Mittlerweile hat die IG Metall Vereinbarungen mit weltweit operierenden Unternehmen über soziale Mindeststandards abgeschlossen, die sich auf die Kernarbeitsnormen stützen. Mit der IG Metall engagieren sich solidarisch auch Verdi-Mitglieder in Handelsunternehmen für weltweit bessere Arbeitsbedingungen. In Aufsichtsräten verlangen Betriebsräte und Gewerkschafter von Unternehmensvorständen Auskunft darüber, ob sie Sozialstandards einhalten.

 

Was wir wollen und was wir tun
Die Produktionsketten der Textilindustrie sind transnational organisiert. Engagement ist in diesen Strukturen erfolgreich, wenn es Grenzen überwindet und das Interesse aller Beschäftigen im Blick hat.

 

Die IG Metall tritt ein für

  • gute Arbeitsbedingungen und existenzsichernde Löhne in der ganzen Produktionskette
  • Verpflichtung der Produktions- und Zulieferbetriebe auf soziale Standards
  • Kontrolle der Arbeitsbedingungen durch unabhängige Institutionen

Als Auftraggeber und Markt ist Deutschland ein bedeutender Standort für die Bekleidungsindustrie und mit der globalen Textilwirtschaft vernetzt. Deshalb kann man hier viel für die Verbesserung von Arbeitsbedingungen tun.

 

Die IG Metall

  • fördert den weltweiten Informationsaustausch zwischen Arbeitnehmervertretern,
  • spricht Arbeitsschutz und Arbeitsbedingungen in den Unternehmen direkt an,
  • initiiert bzw. unterstützt Petitionen und wirkt auf die Politik ein,
  • entwickelt Ideen zur sozialverantwortlichen Gestaltung von Arbeitsprozessen,
  • bereichert die Diskussion um arbeitnehmerspezifische Erfahrungen und
  • sensibilisiert die Öffentlichkeit durch Informationskampagnen.

 

Dazu arbeitet der textile Branchenausschuss der IG Metall Niedersachsen und Sachsen-Anhalt eng mit regionalen Bündnissen und Partner zusammen.

 

Kritik am Siegel "Grüner Knopf"
Das vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung vorgestellte Metasiegel "Grüner Knopf" ist ein globales Siegel mit staatlicher Überwachung. Er soll sozial und ökologisch nachhaltig hergestellte Textilien, die von verantwortungsvoll handelnden Unternehmen in Verkehr gebracht werden, kennzeichnen.

 

Leider weist es aus Sicht der IG Metall Niedersachsen und Sachsen-Anhalt erhebliche Schwächen auf und verfehlt so im Moment noch das Ziel, Konsument*innen eine verlässliche Orientierung zu bieten, dabei, Kleidung zu erkennen, die unter Wahrung der Arbeits- und Menschenrechte hergestellt wurde.

 

Der "Grüne Knopf" will menschenrechtliche Sorgfaltspflichten von Unternehmen in die Bewertung einbeziehen. Dies wäre positiv, noch ist aber unklar, wie die Kriterien und die Nachweisführung in der Praxis umgesetzt werden. Zudem soll die Vergabe auch auf der Anerkennung bereits bestehender Siegel und Label basieren. Diese werden in der Regel von privatwirtschaftlichen Firmen oder Einrichtungen anhand durchgeführter – meist vorangekündigter – Fabrikaudits vergeben.

 

"Weiterhin schreibt die "Grüner Knopf" lediglich die Einhaltung von Mindestlöhnen vor. Diese sind nicht nur in vielen Produktionsländern in Asien oder Afrika nicht existenzsichernd, sondern auch in einigen Osteuropäischen Ländern. Doch genau das führt häufig zu Kinderarbeit und 16-Stunden-Schichten, um überhaupt ein auskömmlichen Verdienst zu erreichen. Die Lohnkosten an einem T-Shirt betragen in der Regel nur ein Prozent des hiesigen Verkaufspreises. Dagegen werden 25 Prozent des Preises für Werbung veranschlagt. Dieses Missverhältnis führt in den Produktionsländern in Fernost häufig zu menschenunwürdigen Arbeits- und Lebensbedingungen, die nicht selten Menschenleben kosten, wie der Einsturz des Rana Plaza 2013 in Bangladesch mit über 1100 Todesopfern zeigte", kritisiert Markus Wente, von der IG Metall Niedersachsen und Sachsen-Anhalt die zu schwachen Kriterien des neuen Siegels.

 

Bezirksleiter Thorsten Gröger richtet einen Appell an die Landesregierungen im Bezirk Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Bei der Frage der öffentlichen Beschaffung und Reinigung von Arbeitskleidung oder der Flachwäsche im Krankenhausbereich ist die öffentliche Hand in der Pflicht: "Der "Grüne Knopf" zeigt deutlich, dass die Regierung hinter dem Grundsatz fairer Arbeits- und Lebensbedingungen, sowie ökologischen Produktionsprozessen steht. Diesen Grundsatz gilt es weiterzuentwickeln und auch regional umzusetzen. Das beinhaltet die Vergabe von öffentlichen Aufträgen nur an tarifgebundene Unternehmen, mit kontrollierten Beschaffungs- und Produktionsprozessen."

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