Prämienzahlung und dauerhaftes Entgelt-Plus

Tarifabschluss im Tarifgebiet Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim

  • 14.04.2021
  • News, Metall & Elektro

Die rund 17.000 Beschäftigte in der Metall- und Elektroindustrie im Tarifgebiet Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim bekommen 500 Euro netto und ein künftig wiederkehrendes Transformationsgeld. Es beträgt 2,3 Prozent eines Monatsentgeltes und wird zukünftig jährlich im Februar ausgezahlt. Das Geld kann auch für Beschäftigungssicherung ausgegeben werden. Der Abschluss für die Metall- und Elektroindustrie „stabilisiert die Einkommen und sichert Beschäftigung“, bewertet Stephan Soldanski, 1.Bevollmächtigter der IG Metall Osnabrück das örtliche Ergebnis. Mit dem Tarifabschluss in der örtlichen Tarifgebiet der Metall- und Elektroindustrie hat die IG Metall ihre wichtigsten Ziele erreicht: „Wir sichern Beschäftigung, gestalten Zukunft und stärken die Einkommen“. Im Wesentlichen wurden die Regelungen aus dem Pilotbezirk NRW übernommen.

Kernstück der Einigung ist eine Corona-Prämie von 500 Euro (Auszubildende erhalten 300 Euro) sowie ein neues Transformationsgeld. Dieses wird im Februar 2022 erstmal ausgezahlt und beträgt dann 18,4 Prozent eines Monatsgehaltes. Diese 18,4 Prozent ergeben sich rechnerisch aus 8 mal 2,3 Prozent (Juli 2021 - Februar 2022). Ein Jahr später, im Februar 2023, beträgt das T-Geld dann 27,6 Prozent (12 mal 2,3 Prozent) eines Monatsentgelts und wird jährlich gezahlt.

 

Das Geld kann in Unternehmen, die in der Krise sind oder mitten in der Transformation stecken, aber auch verwendet werden, um einen Entgeltausgleich bei Arbeitszeitverkürzung zu finanzieren. „Kombiniert mit anderen Möglichkeiten aus den Tarifverträgen der IG Metall ermöglicht das neue T-Geld eine Verkürzung der Arbeitszeit auf 32 Stunden, ohne dass die Beschäftigten wesentliche Einbußen beim Monatsentgelt hinnehmen müssen. Die Beschäftigten haben am Ende des Monats das gleiche Geld in der Tasche“, sagt Carsten Maaß, örtlicher Verhandlungsführer. Der Abschluss macht eine solche Verkürzung der Arbeitszeit auf 32 Stunden für einen Zeitraum von bis zu drei Jahren möglich, wenn die Unternehmen von der Transformation betroffen sind. Dieses Modell kann nur angewendet werden, wenn beide Betriebsparteien zustimmen. Mit dem Transformationsgeld hat die IG Metall eine weitere dauerhafter tarifliche Jahreszahlung geschaffen. Bislang gibt es bereits die tariflichen Zusatzgelder A und B. Unternehmen können künftig die Auszahlung des T-Zug B aufschieben, wenn eine schwierige wirtschaftliche Situation vorliegt.

 

Maaß: „Mit dem neuen jährlichen Transformationsgeld und dem Einstieg in Zukunftstarifverträge ist es gelungen, Lösungen für die Bewältigung der Transformation zu finden und Beschäftigung zu sichern. Das war das wichtigste Ziel dieser Tarifrunde.“

 

Das Verhandlungsergebnis sieht auch die Schaffung von Zukunftstarifverträgen auf betrieblicher Ebene vor. Dazu dient der neue Tarifvertrag „Aufbau und Sicherung von Beschäftigung, Wettbewerbsfähigkeit und Zukunft.“ Als Handlungsfelder kommen insbesondere folgende Handlungsfelder in Betracht: Zielbilder, Qualifizierung, Vereinbarungen zum Veränderungsmanagement sowie Standort- und Beschäftigungsentwicklung. Sieht der Betriebsrat ein Problem auf das Unternehmen zukommen, kann er nun verbindliche Gespräche verlangen. Unternehmen und Betriebsrat analysieren mit Unterstützung der Tarifparteien die Lage. „Beide Seiten schauen: Welche großen Baustellen haben wir?“, erläutert Maaß das vereinbarte Prinzip, „und schreiben dann die nötigen Schritte in einem separaten Tarifvertrag fest.“

 

Die örtlichen Tarifvertragsparteien werden sich zudem an der geplanten Transformationsagentur für die Metall- und Elektroindustrie in Niedersachsen beteiligen.

 

„Wir konnten zu allen unserer drei zentralen Forderungen - Beschäftigung sichern, Zukunft gestalten, Einkommen stärken – in dieser Tarifrunde etwas erreichen“ zieht Osnabrücks IG Metall-Chef Soldanski ein Resümee der Verhandlungen.

 

„Die IG Metall ist auch unter Corona voll handlungs- und aktionsfähig - Mit Metallerinnen und Metallern ist immer zu rechnen!“, so Soldanski weiter. Möglich wurde der Abschluss aber erst durch den enormen Druck der Beschäftigten. Unter Pandemiebedingungen - mit Maske und Abstand - haben im März knapp 7.000 Metallerinnen und Metaller allein in der Region Osnabrück die Forderungen der IG Metall mit Warnstreiks, Frühschluss-Aktionen, Kundgebungen und vielfältigen Aktionen und trotz Homeoffice unterstützt. „Ohne dieses großartige Engagement hätten sich die Arbeitgeber nicht bewegt“.