Mit Union Busting gegen den Tarifvertrag

Metallbauer wollen Tarifbindung!

  • 16.01.2019
  • News, Tarif, Handwerk, Metallhandwerk

Sie haben die Nase voll von ungleichen Löhnen und Gehältern, von schwankenden Monatseinkommen und von der 40-Stunden-Woche. Die Beschäftigten des Rohrherstellers KMH-Kammann Metallbau in Bassum fordern einen Tarifvertrag. Am 20. November 2018 zogen sie erstmals zu einem Warnstreik vor das Werkstor.

Demonstrationszug der Beschäftigten der KMH-Kammann Metallbau GmbH (Foto: IG Metall)

 

Seit dem Sommer 2018 haben IG Metall und Geschäftsführung bereits sechs Mal miteinander verhandelt. Das Ziel: Anerkennung der Flächentarifverträge des metallverarbeitenden Handwerks in Niedersachsen. Derzeit entscheidet die Geschäftsführung allein, ob, wann und in welcher Höhe es mehr Geld gibt.

 

Häufig liegen gleich mehrere hundert Euro zwischen den Entgelten und das für die gleiche Arbeit. Außerdem gilt bei KMH die 40-Stunden-Woche. Der Flächentarifvertrag sieht dagegen 37 Stunden pro Woche vor.

 

„Unterschiedliche Löhne bei gleicher Arbeit, schwankende Monatseinkommen und überlange Arbeitszeiten haben die Kolleginnen und Kollegen dazu bewogen, sich zu organisieren und einen Tarifvertrag zu fordern“, beschreibt Martin Bauerschäfer von der IG Metall Nienburg-Stadthagen die Situation.

 

Anfangs liefen die Verhandlungen zwischen der IG Metall und der Geschäftsführung gut. Man fand erste Vereinbarungen: Ein möglicher Tarifvertrag sollte stufenweise eingeführt, die Entgelte schrittweise an das Tarifniveau angehoben und die Arbeitszeit abgesenkt werden. Rückwirkend zum 01. Juli 2018 sollte der erste Anpassungsschritt erfolgen.

 

In einem ersten schriftlichen Angebot ließ KMH-Kammann Metallbau dann aber die Katze aus dem Sack: Den Flächentarifvertrag sollten die Beschäftigten erst im Jahr 2030 zu hundert Prozent erhalten. Ein Stufenplan über zwölf Jahre war für die Mitglieder der IG Metall nicht verhandlungsfähig. Am 20. November folgte daraufhin der erste Warnstreik in der Firmengeschichte. Über 100 Kolleginnen und Kollegen beteiligten sich. Ein voller Erfolg!

 

In der darauffolgenden Verhandlung bewegte sich die Geschäftsführung. Der Druck der Beschäftigten zeigte Wirkung: Eckpunkte wurden verhandelt, Vereinbarungen getroffen. Doch die entscheidende Unterschrift blieb aus. „Man könne sich heute nicht endgültig festlegen“, so beendete die Geschäftsführung die Verhandlung.

 

„In den vergangenen Verhandlungen hat sich die Geschäftsführung immer wieder einer verbindlichen Entscheidung verweigert. Das alles folgte einer üblen Strategie.“, erklärt Markus Wente, Verhandlungsführer der IG Metall Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, die weitere Situation.

 

Dann tauschte KMH den Verhandlungsführer aus. Der Umgangston wurde rauer und wenig kooperativ. Ein neuer Player ist jetzt auf dem Spielfeld erschienen: die Kanzlei Schreiner und Partner aus Hamburg hat die Verhandlungsführung übernommen.

 

„Der gesamte Prozess ist seitens der Geschäftsführung nur auf ein Ziel ausgelegt: Vermeidung eines Tarifvertrages. Die Kanzlei Schreiner und Partner soll hierzu den Weg bereiten“, ist sich Markus Wente sicher.

 

Was nun folgte, ist wie aus dem Union-Busting-Lehrbuch: Einzelgespräche mit den Beschäftigten, Gruppeninformationen über mehrere Stunden, Beeinflussung über Aushänge. Den Betriebsräten wurde verboten, Symbole der IG Metall zu verwenden. Den Kolleginnen und Kollegen wurde mit Abmahnungen gedroht, wenn sie sich beim Betriebsrat informieren und dafür ihren Arbeitsplatz verlassen. Warnstreikende wurden auf „schwarzen Listen“ vermerkt und ein Streikbrecher riskierte gar Leib und Leben der Kolleginnen und Kollegen, indem er mit einem LKW ohne Vorwarnung die Streikposten durchbrach.

 

Der vorläufige Höhepunkt: die Geschäftsführung führt eine schriftliche Abstimmung unter den Beschäftigten durch. Sie sollen entscheiden, ob sie einen Tarifvertrag mit der IG Metall wollen, oder doch lieber eine Vereinbarung zwischen der Geschäftsführung und einer von KMH eingesetzten Mitarbeitervertretung.

 

Markus Wente: „Das ist typisch für die Kanzlei Schreiner und Partner: Mitbestimmungsstrukturen durch Betriebsräte sollen mit arbeitgeberfreundlichen Mitarbeitervertretungen ausgehebelt und die Gewerkschaft aus dem Haus gedrängt werden. Das wäre faktisch die Abschaffung der gesetzlich garantierten Mitbestimmung und Demokratie im Betrieb. Dies ist mit der IG Metall nicht zu machen.“

 

Ende Januar ist eine weitere Verhandlung geplant; mit Schreiner und Partner am Tisch und im Ausgang völlig offen.

 

Markus Wente: „Die Geschäftsführung wäre gut beraten, die Anwälte von Schreiner und Partner vom Hof zu jagen. Union-Busting-Methoden, um demokratische Rechte abzubauen, haben nichts mit einer vertrauensvollen Zusammenarbeit und Demokratie im Betrieb zu tun.“

 

Die nächsten Wochen werden entscheidend sein bei KMH-Kammann Metallbau in Bassum. Die Forderung der IG Metall-Mitglieder bleibt bestehen: ein rechtssicherer und fairer Tarifvertrag muss her. Notfalls auch mit Streik.   

 

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