Metall- und Elektroindustrie Niedersachsen

IG Metall fordert mehr Entgelt und ein Zukunftspaket, um Beschäftigung zu sichern

  • 16.12.2020
  • News, Metall & Elektro

Hannover – Die IG Metall Niedersachsen und Sachsen-Anhalt und der Arbeitgeberverband NiedersachsenMetall haben heute in Hannover die Tarifverhandlungen für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie für Niedersachsen gestartet. In der ersten Verhandlungsrunde, die nach zwei Stunden beendet wurde, forderte die IG Metall ein Entgeltvolumen von 4 Prozent, für Einkommen, Beschäftigungssicherung und Zukunft, bei einer Laufzeit von 12 Monaten. "Eine zweite Nullrunde werden wir nicht mitmachen! Vielmehr brauchen wir ein Zukunftspaket, das für alle in der Branche passt", sagt Bezirksleiter Thorsten Gröger.

Ihre Forderungen untermauert die Gewerkschaft mit wirtschaftlichen Argumenten: „Es ist nicht die Zeit für ideologische Schlachten der Vergangenheit“, so der Verhandlungsführer. „Die aktuellen Tarifrunden finden in einer komplexen wirtschaftlichen Situation statt. Verzicht ist jetzt aber nicht das richtige Mittel der Wahl, um die Wirtschaft wieder zum Laufen zu bringen. Die größte Bremse ist aktuell der fehlende private Konsum, da sind sich die Experten einig. Die Prognosen gehen bereits für das Frühjahr 2021 von einer weiteren, deutlichen Erholung der Metall- und Elektroindustrie aus. Um diese Entwicklung zu untermauern, brauchen wir eine Entgeltsteigerung, um die Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen zu fördern. Schließlich liegt die letzte monatliche Entgelterhöhung mehr als zwei Jahre zurück. Die Beschäftigten zeigen sich in der Krise höchst flexibel. Viele hatten Einkommenseinbußen. Damit die Konjunktur nun weiter an Fahrt aufnehmen kann, brauchen die Beschäftigten das Geld.

 

Die IG Metall erkennt aber an, dass die Situation in den Betrieben unterschiedlich ist. Deshalb will die Gewerkschaft in der aktuellen Tarifrunde Regelungen zur Beschäftigungssicherung durch die Möglichkeit der Absenkung der Arbeitszeit mit attraktiven Arbeitszeitmodellen verbessern und den Rahmen für betriebliche Zukunftstarifverträge abstecken. Betriebe mit andauernden Beschäftigungsproblemen sollen die Arbeitszeit reduzieren können und der Einkommensverlust soll abgefedert werden. Die IG Metall fordert hier einen Teilentgeltausgleich, für den auch Teile des Forderungsvolumens von 4 Prozent zur Verfügung stehen können, „denn eine Arbeitszeitreduzierung muss man sich auch leisten können,“ so Gröger.

 

Gröger erläutert weiterhin: "In diesem Rahmen sind wir bereit maßgeschneiderte Zukunftstarifverträge für einzelne Betriebe mit Investitions-, Produkt- und Standortzusagen sowie Qualifizierungsmaßnahmen zur Personalentwicklung auszuhandeln und die Einkommen der Beschäftigten zu sichern. Es muss verhindert werden, dass Beschäftigte hier auf der Strecke bleiben und sich abgehängt fühlen, wenn es darum geht, den Veränderungen in der Arbeitswelt im jeweiligen Unternehmen zu begegnen. Die Transformation ist die zentrale Herausforderung für unsere Industrien: Die Digitalisierung und Dekarbonisierung von Produkten und Prozessen verlangt Betrieben und Beschäftigten weitreichende Anpassungsprozesse ab. Die Corona-Krise erschwert diesen Strukturwandel. Besonders fatal an dieser Situation: Vielen Arbeitgebern fehlte schon vor Corona eine langfristige Strategie.“

 

In den weiteren Verhandlungen soll auch über Verbesserungen in der Ausbildung, Übernahmeregelungen für Auszubildende und die Einbeziehung von Dual Studierenden gesprochen werden, die noch keinen tarifvertraglichen Regelungen unterliegen. Von NiedersachsenMetall erwartet der Gewerkschafter ein konstruktives Vorgehen. "Wir wollen am Verhandlungstisch zu tragfähigen Lösungen kommen. Dafür ist Zeit bis zum Ende der Friedenspflicht Anfang März. Der Glaube an den Erfolg solidarischen Handelns unter den Beschäftigten in dieser Tarifauseinandersetzung ist ungebrochen hoch“, so die Einschätzung des Bezirksleiters.

 

Weitere Verhandlungen für die Metall- und Elektroindustrie finden morgen in Osnabrück und in Sachsen-Anhalt statt.

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