Haustarifvertrag VW

Tarifeinigung bei Volkswagen erzielt. Mehr Geld, mehr freie Tage und Verlängerung der Altersteilzeit

  • 23.11.2022
  • News, Presseinfos, Volkswagen

Nach einer langen Nacht und 12-stündigen Verhandlungen haben IG Metall und Volkswagen zu später Stunde vor den Toren der niedersächsischen Landeshauptstadt eine Einigung über den neuen Haustarif erzielt.

Foto: Marcus Biewener

Das Ergebnis gelang Gewerkschaft und Unternehmen in der dritten Verhandlungsrunde, eine Woche vor Ablauf der Friedenspflicht.

 

Die Tarifeinigung sieht unter anderem vor:

  • Eine tabellenwirksame Erhöhung der Entgelte und Ausbildungsvergütungen um 5,2 Prozent ab dem 1. Juni 2023 sowie um weitere 3,3 Prozent ab dem 1. Mai 2024. Wie in der Fläche beträgt die Laufzeit 24 Monate.
  • Eine Inflationsausgleichsprämie in Höhe von 3000 Euro, die in zwei Schritten im Februar 2023 (2000 Euro) sowie im Januar 2024 (1000 Euro) ausgezahlt wird. Auszubildende erhalten jeweils die Hälfte. Diese Einmalzahlungen fließen steuer- und abgabenfrei, also brutto gleich netto.
  • Die Wandlungsoption „freie Tage statt mehr Geld“ bei der tariflichen Zusatzvergütung (T-ZUV) wird vollständig für alle Beschäftigten geöffnet: Sie können künftig zwischen drei Optionen wählen: Nur Geld über die 27,5 Prozent Extrazahlung im August oder die hälftige Aufteilung in 13,75 Prozent plus drei freie Tage oder die komplette Umwandlung in sechs freie Tage. 
  • Der Tarifvertrag über die Altersteilzeit wird zu den bisherigen Konditionen fortgeführt und bis zum 31.12.2027 verlängert.
  • Der Zuschuss für die Semesterbeiträge für alle Dual Studierenden wird deutlich angehoben: So erhalten Dual Studierende künftig 395 Euro, um ihre Beiträge an die Hochschulen begleichen zu können (statt bisher 350 Euro). Außerdem überweist VW die Gebühren fortan rechtzeitig, so dass der Nachwuchs bei den Zahlungen an die Hochschulen nicht mehr in Vorleistung treten muss. Die bisherige Leistungsorientierte Einmalzahlung (LOE) wird mit 500 Euro für alle Dual Studierenden und Auszubildenden künftig spürbar über dem bisherigen Durchschnittssatz (467 Euro) festgeschrieben. Sie wächst tarifdynamisch und wird weiter im Mai ausgezahlt.
  • Die bisher festgeschriebenen 1.400 Ausbildungsplätze pro Jahr werden nicht angetastet. Innerhalb der Systematik werden ein VW-Master und weitere Stipendien ergänzt.

Thorsten Gröger, IG Metall-Verhandlungsführer, erklärt am Morgen: „Mehr als 4000 Beschäftigte haben bei der zweiten Verhandlung den Druck auf die Arbeitgeber erhöht. Das führte dazu, dass Volkswagen endlich eingelenkt hat und heute, in der dritten Zusammenkunft, ein Angebot präsentierte, über das sich verhandeln ließ. VW hat damit kurz vor Ende der Friedenspflicht nochmal die Kurve bekommen. Ich will keinen Hehl daraus machen, dass die die Auseinandersetzung nicht einfach war - das zeigt alleine die enorm lange Verhandlungsdauer in der Nacht.“

 

„Bereits im Februar 2023 erhalten die VW-Beschäftigten eine steuerfreie Inflationsausgleichsprämie in Höhe von 2000 Euro, ein Jahr später folgen weitere 1000 Euro. Damit können aufkommende Härten, die durch die Preissteigerungen beim Einkaufen, beim Tanken oder beim Heizen entstehen, kurzfristig aufgefangen und abgefedert werden. Zum Juni steigen die Entgelte dann um 5,2 Prozent und im Mai des dann darauffolgenden Jahres nochmals um 3,3 Prozent. Im Zusammenspiel mit politischen Entlastungsmaßnahmen wie der Strom- oder Gaspreisbremse sowie weiteren Einmalzahlungen vom Staat, entsteht ein Gesamtpaket, das die Wucht der Inflation eindämmt. Tarifpolitik alleine kann die Dynamik der Teuerungen nicht vollständig auffangen, aber mit unserem Abschluss leisten wir in historisch schwierigen Zeiten einen Beitrag, damit die Beschäftigten besser durch die Krise kommen!“, fügt der Bezirksleiter an.

 

Neben der materiellen Seite des Tarifabschlusses, zeigt sich der Metaller über Verbesserungen der Freistellungstage erfreut. „Mit der erzielten Einigung tragen wir dem Wunsch der Beschäftigten nach mehr selbstbestimmter Zeit Rechnung! Mehr und mehr Beschäftigte wünschen sich die Wahlmöglichkeit zwischen Geld oder Zeit, um letztere mit ihrer Familie oder Freunden zu verbringen.“ Die tarifliche Zusatzvergütung, die entweder als Extrazahlung (27,5 Prozent) im September fließt oder als Wandlungsoption zusätzliche freie Tage ermöglicht, wird für alle Beschäftigten ausgeweitet. Statt bisher drei Tage können fortan alle Beschäftigte bis zu sechs freie Tage in Anspruch nehmen. Die tarifliche Zusatzvergütung hatte bisher eine Wahloption für besonders belastete Beschäftigtengruppen: Wer kleine Kinder hat, Angehörige pflegt oder regelmäßig Schicht arbeitet, konnte die Zusatzzahlen in sechs zusätzliche freie Tage wandeln. Beschäftigte, die nicht in die drei Kategorien fielen, bekamen jedoch nur das Geld. Mit dem vergangenen Tarifabschluss 2021 ist erstmals eine generelle Öffnung gelungen: Alle Beschäftigten, die wollen, konnten fortan auf die Hälfte ihrer Zusatzvergütung verzichten und das Geld stattdessen in drei freie Tage eintauschen. Die besonders belasteten Gruppen (Eltern, Pflege, Schicht) behalten die Möglichkeit, wie bisher die vollen sechs Tage für sich in Anspruch zu nehmen. Mit der neuen Tarifverständigung besteht nun die vollständige Wandlungsmöglichkeit für alle Beschäftigten in die vollen sechs freien Tage.

 

Gesamtbetriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo sagt: „Uns ist in schwierigen Zeiten ein richtig solider Abschluss geglückt. Die Kolleginnen und Kollegen erhalten rasch spürbar mehr Geld. Außerdem sind zentrale VW-Themen wie Altersteilzeit und mehr freie Tage geregelt. Wir bei Volkswagen beweisen damit aufs Neue, dass wichtige Belange unserer gut organisierten Belegschaft auch in der Krise nicht ins Hintertreffen geraten.“

 

Der IG Metall Bezirk Niedersachsen und Sachsen-Anhalt im Haustarif für die rund 125.000 Beschäftigten an den sechs westdeutschen Standorten der Volkswagen AG (Braunschweig, Emden, Hannover, Kassel, Salzgitter, Wolfsburg) sowie bei den Töchtern Financial Services, Immobilien und der dx.one GmbH. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit bis zum 30.11.2024. Die Erklärungsfrist endet am 07.12.2022.