Drohkulisse und Beschäftigten-Druck bringen Brose Sitech zum Einlenken

Tarifabschluss verhindert weitere Arbeitsniederlegung und steigert nachhaltig die Entgelte

  • 08.12.2022
  • News, Tarif

Leere Stiefel gab es am Nikolaustag in Wolfsburg: Auch in der dritten Verhandlungsrunde zwischen IG Metall und Brose Sitech kam es nicht zum Tarifabschluss. Dort weigerte sich das Unternehmen noch, auf die Forderungen der IG Metall einzugehen und warf eigene Provokationen in die Waagschale.

Während die Geschäftsführung der Brose Deutschland GmbH für ihre Beschäftigten deutschlandweit die Übernahme des Tarifergebnisses aus der Metall- und Elektroindustrie aus Bayern verkündet hatte, blieb die Verhandlungskommission der Arbeitgeberseite für Wolfsburg und Emden zunächst auf Konfrontationskurs. Gekrönt wurde das Schauspiel der Arbeitgeberseite dadurch, dass eine Steigerung der Entgelte nur gelte, wenn man zusätzliche Arbeitgeber-Forderungen akzeptiere.

 

So präsentierte das Unternehmen unter anderem ein Forderungspaket, das die Erhöhung der wöchentlichen Arbeitszeit auf 40 Stunden für Teile der Belegschaft vorsieht. Für andere Teile soll eine Verkürzung der Arbeitszeit auf bis zu 28 Stunden ohne Lohnausgleich erfolgen. Auch die Neudefinition von Mehrarbeit sowie eine Verschlechterung von Kündigungsfristen wurde auf das Tapet gebracht. Insgesamt legte die Brose Sitech hier einen Katalog von mehr als zwanzig neu zu regelnden Punkten auf den Tisch, von denen sie mindestens neun Punkte einer Lösung im Verhandlungsergebnis zuführen wollte - obwohl jene Punkte in Tarifverträgen mit der IG Metall fest geregelt sind und eben nicht gekündigt wurden. Nach sieben Stunden Verhandlung endete am 6. Dezember die dritte Zusammenkunft der Tarifakteure ergebnislos und verhärtet.

Nachdem nunmehr weitere Warnstreiks und betriebliche Aktionen unmittelbar bevorstanden und auch Betriebsversammlungen stattgefunden haben, lenkte Brose Sitech in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag in einer weiteren Verhandlung ein, um eine spürbare und teure Tarifeskalation zu vermeiden. Das Unternehmen verständigte sich mit der IG Metall auf folgende Eckpunkte einer Tarifeinigung:

  • Entgelte und Ausbildungsvergütungen steigen tabellenwirksam zum 1. Juni 2023 um 5,2 Prozent und um weitere 3,3 Prozent zum 1. Mai 2024
  • Außerdem erhalten die Beschäftigten eine Inflationsausgleichsprämie in Höhe von 3.000 Euro, die in zwei Schritten ausgezahlt wird. Im Februar 2023 2.000 Euro, im Januar 2024 folgen weitere 1.000 Euro steuerfrei. Auszubildende erhalten jeweils die Hälfte.
  • Zusätzlich können zukünftig alle Beschäftigten die tarifliche Zusatzvergütung in sechs freie Tage umwandeln. Bislang galt diese Wandlungsoption für alle Beschäftigten nur bis zu drei Tage. Lediglich besonders belastet Beschäftigte in Schichtarbeit oder bei Kindererziehung und Pflege konnten sechs freie Tage in Anspruch nehmen.

IG Metall-Verhandlungsführer Thilo Reusch zeigt sich sehr zufrieden: „Nachdem das Unternehmen unnötig in der dritten Verhandlungsrunde provozierte, hat Brose Sitech noch rechtzeitig die Spur gewechselt. Die Beschäftigten in Emden und Wolfsburg erhalten nunmehr ein sattes Entgeltplus. Möglich war dies nur durch die bereits stattgefundenen betrieblichen Warnstreiks, die jetzt deutlich intensiviert worden wären. Für heute waren weitere Warnstreiks in Wolfsburg und Emden geplant, die auch bei Volkswagen zu Produktionsausfällen geführt hätten. Das zeigt: Entschlossene und gut organisierte Belegschaften können große Widerstände brechen und ihre Interessen durchsetzen! Die Arbeitgeber haben sich mit ihrem Auftreten in drei Verhandlungsrunden verzockt. Nun gibt es ein faires Verhandlungsergebnis, das kraftvoll den Preissteigerungen in den alltäglichen Lebenslagen begegnen kann!“

 

Der Betriebsratsvorsitzende Wissam Harb äußerte sich wie folgt: „Endlich gibt es eine Einigung, die die Entgelte unserer Belegschaft nachhaltig stärkt. In den letzten Jahren haben die Kolleginnen und Kollegen richtig geackert und verdienen entsprechend Respekt und Wertschätzung. Mit der dauerhaften Gehaltserhöhung kann den gestiegenen Lebenshaltungskosten entgegengewirkt werden. Mit der steuerfreien Inflationsausgleichsprämie können kurzfristige Preissteigerungen aufgefangen werden. Insgesamt haben wir ein gutes Paket für unsere Beschäftigten geschnürt. Die Provokationen der Arbeitgeberseite zeigen allerdings: Die künftigen Auseinandersetzungen werden nicht einfacher. Daher braucht es viele Kolleginnen und Kollegen die der Verhandlungskommission der IG Metall auch in Zukunft den Rücken stärken!“

 

Weitere Informationen siehe Flugblatt: