Beschäftigtenbefragung Sachsen-Anhalt

Schlechte Arbeitsbedingungen provozieren weiterhin Abwanderung von Beschäftigten

  • 11.04.2012
  • kw/igm
  • News, Presseinfos

Magdeburg – Die Arbeits- und Leistungsbedingungen der Beschäftigten in Sachsen-Anhalt sind immer noch deutlich schlechter als in den westlichen Bundesländern. Ein Großteil der Arbeitgeber setzt offenbar weiterhin auf Niedriglöhne und prekäre Arbeitsverhältnisse, so das Ergebnis der repräsentativen Beschäftigtenbefragung.

„Die Arbeitgeber in Sachsen-Anhalt,“ fordert Hartmut Meine, IG Metall-Bezirksleiter für Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, „müssen endlich ordentliche Löhne zahlen, wie sie im Westen üblich sind. Ansonsten kann der Abwanderung in Regionen mit guten Arbeits- und Leistungsbedingungen nicht entgegengewirkt werden. Laut Befragung können sich 30 Prozent der Beschäftigten bei besserer Bezahlung einen Arbeitsplatzwechsel vorstellen. „Die Arbeitgeber,“ so Meine weiter, „gefährden mit ihrer rückwärtsgewandten Politik die wirtschaftliche Entwicklung des gesamten Landes. Anstatt die Tarifverträge anzuwenden und dem Fachkräftemangel sowie der Abwanderung von hoch qualifizierten Beschäftigten aktiv entgegenzutreten, halten viele Arbeitgeber an der überkommenen Niedriglohnideologie fest.“

 

Der DGB-Landesvorsitzende Udo Gebhardt verweist auf den hohen Anteil von Beschäftigten im Niedriglohnbereich und fordert einen Mindestlohn von 8,50 Euro. „Jeder dritte Vollzeitbeschäftigte in Sachsen-Anhalt erhält im Monat nicht mehr als 1.500 Euro. Viele Beschäftigte werden schlecht bezahlt, obwohl sie teilweise unter schwierigeren Bedingungen arbeiten müssen als die Beschäftigten in Westdeutschland. So ist der Anteil von Wochenend- und Schichtarbeit sowie schwerer körperlicher Arbeit deutlich höher als im Westen“, so Gebhardt.

 

Arbeitsminister Norbert Bischoff erklärt zum Ergebnis der Befragung: „Die Studie zeigt, dass durchaus noch Nachholbedarf beim Angebot guter Arbeitsplätze besteht. Wenn wir gut qualifizierte Beschäftigte im Land halten wollen, muss auch etwas für sie getan werden. Auf der anderen Seite wurde deutlich, dass sich die Arbeitnehmer mit ihrer Arbeit identifizieren und das gute Klima im Kollegium schätzen. Sie sind hoch motiviert.

 

Um sie dauerhaft zu halten, müssen weitere positive Anreize gegeben werden. Mit dem Anspruch auf Ganztagesbetreuung ermöglichen wir den Familien und vor allem den Frauen, Arbeit und Familie unproblematisch zu verbinden. Das ist besonders für junge Fachkräfte ein wichtiger Grund hier zu bleiben und unterscheidet uns signifikant von den westlichen Bundesländern.“

 

Über 1.000 Beschäftigte haben sich an der repräsentativen Umfrage zu den Arbeits- und Leistungsbedingungen in Sachsen-Anhalt beteiligt. Finanziert wurde die Befragung durch die EU und die Landesregierung Sachsen-Anhalt.

 

Die Ergebnisse sind besorgniserregend:

 

  • So sind die Entgelte um 33 Prozent niedriger als in West- und Süddeutschland. Damit erhalten die Beschäftigten monatlich rund 600 Euro weniger als ihre Kolleginnen und Kollegen in Niedersachsen, Hessen oder Schleswig-Holstein.
  • Darüber hinaus hat sich in Sachsen-Anhalt ein ausgedehnter Niedriglohnsektor ausgebildet. 44 Prozent der Beschäftigten erhalten monatlich weniger als 1.500 Euro. Im Produktionssektor sind es 36 Prozent der Beschäftigten, die ein Entgelt von unter 1.500 Euro erhalten, 33 Prozent sogar im Rahmen von Vollzeitarbeit.
  • Gefragt nach ihrer Entgeltzufriedenheit geben 55 Prozent der Beschäftigten an, sich nicht angemessen entlohnt zu fühlen. Im Produktionsbereich sind 63 Prozent der Beschäftigten mit ihrem Entgeltniveau unzufrieden.
  • Als Folge der häufig unbefriedigenden Arbeitssituation gibt es eine deutliche Bereitschaft, den Arbeitgeber zu wechseln: 30 Prozent der Beschäftigten würden ihren Arbeitgeber verlassen, sobald sich bessere Verdienstmöglichkeiten bei einem anderen Arbeitgeber ergeben. 8 Prozent suchen aktuell nach einem neuen Arbeitgeber.
  • 28 Prozent der Beschäftigten können sich einen Wegzug aus Sachsen-Anhalt vorstellen, Hauptmotiv sind bessere Arbeitsbedingungen, Beschäftigungs- und Aufstiegschancen.
  • Lediglich 50 Prozent der Beschäftigten fallen in den Geltungsbereich von Tarifverträgen. Rund 85 Prozent der Befragten halten Tarifverträge aber für wichtig und 75 Prozent der Beschäftigten halten einen Betriebsrat für wichtig.

(Presseinformation Nr. 29 / 2012)

 

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