Mehr Inklusion für Menschen mit Behinderung

  • 03.12.2019
  • News

Hannover – Wir brauchen mehr Inklusion in der Arbeitswelt. Eine wichtige Rolle bei der Gestaltung von Inklusion und barrierefreier Arbeit haben die Schwerbehindertenvertretungen (SBV) in den Betrieben. Sie setzen sich dafür ein, dass Menschen mit Behinderungen ihre Fähigkeiten ausschöpfen und entwickeln können und dass sie auf Dauer gesund und arbeitsfähig bleiben.

Bild: panthermedia.net / DOC-Photo

  • Viele Unternehmen erfüllen die Schwerbehindertenquote nicht
  • Ausgleichsabgabe muss erhöht werden
  • Hilfsmittel dürfen für den Behinderungsgrad keine Rolle spielen


„Die Aufgabe der Schwerbehindertenvertretungen wird immer bedeutender, da mit der ökologischen und digitalen Transformation der Druck auf die Arbeitsplätze von Menschen mit Behinderung steigen wird“, sagt Bezirksleiter Thorsten Gröger aus Anlass des Internationalen Tages der Menschen mit Behinderung am 3. Dezember. Dieser Tag wurde von den Vereinten Nationen 1993 als Gedenk- und Aktionstag ins Leben gerufen.

Unternehmen mit mindestens 20 Arbeitsplätzen sind gesetzlich verpflichtet, fünf Prozent der Arbeitsplätze mit Schwerbehinderten zu besetzen. Bundesweit liegt diese Quote im Schnitt aber nur bei 4,6 Prozent. Bei den Unternehmen in der Privatwirtschaft beträgt sie sogar nur 4,1 Prozent, bei öffentlichen Arbeitgebern 5,6 Prozent. Erfüllen Arbeitgeber die Quote von 5 Prozent nicht, müssen sie eine Ausgleichsabgabe zahlen, die zwischen 125 und 320 Euro im Monat beträgt.  „Viele Arbeitgeber zahlen lieber die Ausgleichsabgabe anstatt Schwerbehinderte zu beschäftigen. Das ist nicht hinnehmbar. Diese Abgabe muss deutlich erhöht werden“, fordert Gröger.

 

Auf Kritik bei Gröger stößt die von der Bundesregierung geplante Novellierung der Verordnung für Versorgungsmedizin. „Die Reform bringt Nachteile für Menschen mit Behinderungen. Die Chancen auf Teilhabe am Arbeitsleben sinken, soziale Sicherheiten werden beschädigt. Das ist für uns nicht akzeptabel.“

 

Hilfsmittel, zum Beispiel Prothesen, sollen mit dieser Novellierung künftig bei der Bestimmung des Behinderungsgrades berücksichtigt werden. Gröger hält das nicht für gerechtfertigt. „Solche Hilfsmittel sind kein vollwertiger Ausgleich für Einschränkungen, die Menschen mit Behinderung in der Arbeitswelt erfahren“. Und die geplante Befristung des Grades der Behinderung kann zu Versorgungslücken führen, weil Neuanträge gestellt werden müssten, um wieder eine Anerkennung als Schwerbehinderter zu bekommen.

Insgesamt sind 7,8 Millionen Menschen in Deutschland anerkannt schwerbehindert, knapp eine Million stehen mitten im Arbeitsleben. Nur drei Prozent der Behinderungen sind angeboren, die meisten werden durch Unfälle, Krankheiten oder Verschleiß verursacht. Als schwerbehindert gilt, wer mindestens einen Grad der Behinderung von 50 erreicht.