Angleichung der Arbeitszeit

IG Metall kritisiert Haltung des Arbeitgeberverbandes in Sachsen-Anhalt

  • 23.09.2019
  • News, Presseinfos

Hannover/Magdeburg – Die Empörung der Tarifkommission am vergangenen Freitag war groß, als bekannt wurde, dass der Arbeitgeberverband VME die Gespräche mit der IG Metall über eine Angleichung der Arbeitszeiten für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie in Sachsen-Anhalt derzeit nicht weiterführen möchte. Bezirksleiter Thorsten Gröger kritisiert diese Weigerung der Arbeitgeber scharf und findet deutliche Worte: „Das wird zu massiver Verärgerung führen. Es gibt keinen sachlichen Grund, dass die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie in Ostdeutschland nun 30 Jahre nach der Deutschen Einheit einen Monat im Jahr länger arbeiten müssen als ihre Kolleginnen und Kollegen im Westen. Wir erwarten, dass die Arbeitgeber ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nachkommen!“

Thorsten Gröger, Bezirksleiter Niedersachsen und Sachsen-Anhalt (Foto: IG Metall)

Die IG Metall hat mit dem Verband VME in Sachsen-Anhalt von Juni bis Oktober 2018 vier Gespräche über eine Angleichung der Arbeitszeit für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie in Sachsen-Anhalt geführt. Eine entsprechende Gesprächsverpflichtung wurde zuvor, im Februar, im Rahmen des Tarifabschlusses zwischen beiden Seiten vereinbart. „Diese Gesprächsverpflichtung hat für uns weiterhin Gültigkeit.“, fährt Gröger fort, „Wir erwarten eine zügige Fortsetzung der Gespräche für das Tarifgebiet Sachsen-Anhalt. Das Thema Arbeitszeitverkürzung werden wir mit allen Belegschaften auf die Tagesordnung setzen, Betrieb für Betrieb.“

 

Hintergrund:

In Ostdeutschland arbeiten die Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie noch immer 38 Stunden in der Woche. Im Westen wurde die 35-Stundenwoche nach einem Streik 1984 schrittweise eingeführt. Die IG Metall ist für eine Ost-West-Angleichung im Flächentarifvertrag angetreten. Die Vorschläge der Arbeitgeber höhlen dagegen den Flächentarifvertrag langfristig aus: Die Regelung der Arbeitszeit soll dauerhaft den Betriebsparteien übertragen werden.

 

Am 22. Juni wurde das 6. Gespräch zur Angleichung der Arbeitszeit in Ostdeutschland in Potsdam mit den Arbeitgebern nach mehreren Stunden ohne Vereinbarung weiterer Termine beendet.

 

„Wir sind den Arbeitgebern mit unseren Vorschlägen deutlich entgegengekommen. Die Einführung der 35-Stunden-Woche wäre im verbindlichen Zeitrahmen möglich“, betont IG Metall Bezirksleiter Thorsten Gröger. „Die Arbeitgeber haben keine Vorschläge vorgelegt, die die Grundlage einer Lösung hätten bilden können. Gerade Sachsen-Anhalt leidet an der Abwanderung von Fachkräften, sowohl in andere ostdeutsche Bundesländer als auch nach Westdeutschland. Die Angleichung unterschiedlicher Arbeits- und Lebensbedingungen drei Jahrzehnte nach der Deutschen Einigung ist ein geeignetes Mittel, dieser Abwanderungstendenz wirksam zu begegnen und ist somit nicht nur eine Frage wirtschaftlicher Vernunft, sie ist darüber hinaus auch eine Frage der Gerechtigkeit.“

 

(Presseinformation Nr. 30/2019)

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