Angriff auf 35-Stunden-Woche

Hände weg von der 35-Stunden-Woche - Arbeitgeber befinden sich auf gravierendem Irrweg!

  • 05.10.2022
  • News, Tarif, Metall & Elektro

Dem jüngsten Vorstoß des Arbeitgeberverbandes Niedersachsenmetall erteilt die IG Metall in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt eine unmissverständliche Absage. Arbeitgeberpräsident Niemsch setzt sich für eine Erhöhung der wöchentlichen Arbeitszeit ein. Die IG Metall sagt: Die 35-Stunden-Woche wird nicht angerührt!

Thorsten Gröger, IG Metall-Bezirksleiter Niedersachsen und Sachsen-Anhalt (Foto: Marcus Biewener, Agentur Biewener & Kolb)

„Der Lanico-Boss ist irgendwo falsch abgebogen. Für uns Gewerkschaften ist die Aufgabe der 35-Stunden-Woche in keiner Weise diskussionswürdig und ein Affront gegenüber den Belegschaften. Wir haben eine Entgelttarifrunde, die von der Inflation dominiert ist und in der es auch nur um jenen Entgelt-Tarifvertrag geht. Wir werden uns nicht weiter mit solchen Hirngespinsten beschäftigten.“, erklärt Thorsten Gröger, IG Metall-Bezirksleiter und Verhandlungsführer in der laufenden Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie.

 

Es sei ein Offenbarungseid, dass die einzige Antwort der Arbeitgeber auf die erdrückende Last, die die Beschäftigten durch die Inflation zu tragen haben, die Erhöhung der Wochenarbeitszeit sei: „Der Arbeitgeberverband sollte die Probleme der Beschäftigten im Blick haben, die sich massiven Teuerungen ausgesetzt sehen. Die monatlichen Entgelttabellen wurden seit vier Jahren nicht mehr erhöht, seither haben wir als Gewerkschaft besonnen auf die gravierenden Krisen reagiert. Die realen Einkommen schrumpfen derzeit gewaltig. Wenn die Preise steigen, müssen auch die Entgelte steigen. Der private Konsum muss gestützt und die Kaufkraft gesichert werden!“ In aller Deutlichkeit hebt der Bezirksleiter für seine Gewerkschaft hervor: „Die 35-Stunden-Woche ist ein großer gesellschaftlicher Erfolg, führt zu keinen Produktivitätsabbrüchen und gewährt ein lebenswertes Arbeiten, das die Vereinbarkeit von Familie und Beruf stärkt. In den achtziger Jahren gingen unter dem Motto „Mehr Zeit zum Leben, Lieben, Lachen“ hunderttausende Menschen auf die Straßen, um für eine Arbeitszeitabsenkung zu streiken. Es war ein harter Kampf. Wir werden unter keinen Umständen zulassen, dass die Arbeitgeber diese Errungenschaft in Frage stellen!

Forderungen nach einer Erhöhung der Wochenarbeitszeit sind ein Relikt vergangener Tage. Während Gott und die Welt über die Vier-Tage-Woche und eine Reduzierung der Arbeitszeit sprechen und vielfach Studien eine höhere Produktivität bei geringerer Arbeitszeit belegen, kommen die Arbeitgeber mit ihrer gleichen, alten Kamelle!“, fügt der Metaller an. 

 

In Zeiten, in denen die Arbeitgeber permanent ein Klagelied fehlender Fachkräfte anstimmen, ist eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit definitiv kein Instrument, um die Attraktivität von bestimmten Jobs zu erhöhen: „Ganz im Gegenteil! Weder eine Verlängerung der Wochen- noch der Lebensarbeitszeit sind angemessene Antworten auf die Frage nach guten Fachkräften. Statt über so einen Nonsens zu diskutieren, sollten die Arbeitgeber für inflationsmindernde Entgelterhöhungen und gute Ausbildungsplätze Sorge tragen!“, so der Gewerkschafter und ergänzt abschließend: „Wir erwarten konstruktive Konzepte und ein ordentliches Angebot in der nächsten Verhandlung am 11. Oktober. Das Ende der Friedenspflicht rückt immer näher. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Beschäftigten eine entsprechende Antwort auf die Forderung nach faktischer weniger Geld und mehr Arbeitszeit finden werden!“

 

(Presseinformation Nr. 079/2022)