Autohaus Hotz und Heitmann und Autohaus Kühl sind FAIR

  • 22.11.2019
  • News

Ist mein Autohaus fair zu seiner Belegschaft? Kunden können durch ihre Auswahl Einfluss ausüben und faire Betriebe fördern. Das Siegel „AutohausFAIR“ hilft dabei, diese Firmen zu finden.

v.l.n.r.: Markus Wente (Tarifsekretär beim IG Metall-Bezirk Niedersachsen- und Sachsen-Anhalt), Ulrich Lentvogt (stellv. Betriebsratsvorsitzender), Torsten Olek (Verkaufsleiter der Marke Volkswagen im Autohaus Kühl in Hildesheim), Albert Gelbe (Betriebsrat in Hildesheim), Stephan Klages (Betriebsrat), Edgar Hensel (Verkaufsleiter der Marke Skoda im Autohaus Kühl in Hildesheim und Gifhorn), Helge Fahr (Betriebsratsvorsitzender), Alexander Reise (Ressort Handwerk beim IG Metall Vorstand)

v.l.n.r.: Markus Wente, Axel Kaczmarek, Geschäftsleitung Autohaus Kühl, Alexander Reise

Die IG Metall zeichnete das Autohaus Hotz und Heitmann und das Autohaus Kühl in Niedersachsen mit dem Siegel „AutohausFAIR“ aus. Die Unternehmensgruppe mit derzeit 25 Standorten gehört zu den 20 größten Autohäusern in der Bundesrepublik. Zudem ist es bundesweit das erste Autohaus, welches seinen Mitarbeitern einen früheren Renteneinstieg ohne finanzielle Verluste ermöglicht. Mit dem Tarifvertrag zum „Ausgleich von Rentenabschlägen“ wurde in den Autohäusern erstmals im Kfz-Gewerbe Tarifgeschichte geschrieben.

 

„Für uns ist klar: Wo viele Gewerkschaftsmitglieder arbeiten und wo ein Tarifvertrag gilt, geht es fairer zu.“ Markus Wente vom IG Metall Bezirk Niedersachsen und Sachsen-Anhalt und Alexander Reise vom IG Metall Vorstand, überreichten der Geschäftsführung am vergangenen Donnerstag in Hildesheim das Siegel und erläuterten den Grund der Auszeichnung: „Das Autohaus Kühl erfüllt in der Region in besonderer Weise unsere wichtigsten Kriterien für faire Arbeitsbedingungen: Tarifbindung, Mitbestimmung mit Betriebsrat und Zukunftssicherung durch Ausbildung“, erläutert Markus Wente weiter.

 

Schließlich leisten Beschäftigte in Kfz-Betrieben hochqualifizierte Arbeit. Wer ein Auto kaufen will, möchte durch einen Verkäufer qualifiziert und vertrauensvoll beraten werden. Wer sein Auto warten oder reparieren lässt, wünscht sich höchste Qualität und Fachkompetenz. Kurz gesagt: die beste Qualität zu einem fairen Preis. Aber nur jeder zehnte Handwerker sagt das auch von seinen Arbeitsbedingungen, so eine Untersuchung des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB). Oft klagen Beschäftigte im Handwerk darüber, dass die Anforderungen und der Leistungsdruck zu hoch sind. Und die Bezahlung zu niedrig.

 

„Das Autohaus Kühl ist in Hildesheim der einzige Kfz-Betrieb aus dem VW-Skoda-Bereich, der seine Beschäftigten nach ordentlichen Tarifen entlohnt: Die Entgelte der rund 500 Beschäftigten an den 7 Standorten von Autohaus Kühl steigen in den kommenden Monaten in drei Stufen um insgesamt 5,4 Prozent. Die Ausbildungsvergütungen erhöhen sich in zwei Stufen um jeweils 32 Euro pro Ausbildungsjahr. Außerdem wird im Autohaus Kühl die Arbeitszeit von derzeit 39 auf zukünftig 38-Stunden pro Woche bei vollem Lohnausgleich reduziert. Daneben konnten wir einen Tarifvertrag zum Ausgleich von Rentenabschlägen vereinbaren. Dieser verpflichtet das Unternehmen, für Beschäftigte die das 50. Lebensjahr vollendet haben, 50 Euro pro Monat zusätzlich in die Deutsche Rentenversicherung einzuzahlen. Voraussetzung ist, dass der Beschäftigte sich mit weiteren 50 Euro beteiligt. Damit werden drohende Rentenabschläge bei einem verfrühten Renteneintritt abgemildert. Das Ergebnis der diesjährigen Tarifrunde passt in die gute wirtschaftliche Lage der Autohausgruppe“, erklärt Markus Wente vom IG Metall-Bezirk Niedersachsen und Sachsen-Anhalt.

 

Als besonders gelungen bezeichnete Betriebsratsvorsitzender Helge Fahr stolz die im Kfz-Handwerk bundesweit einmalige Regelung zum Ausgleich der Rentenabschläge: „Die Autohäuser Hotz und Heitmann und das Autohaus Kühl mit ihren Niederlassungen in Wolfsburg und der Region sind im Kfz-Gewerbe die ersten Betriebe überhaupt, die den Tarifvertrag zum „Ausgleich von Rentenabschlägen“ abgeschlossen haben. Die Kolleginnen und Kollegen waren sich einig: Dieser Tarifvertrag ist unser gemeinsames Ziel. Darauf sind wir stolz“

Wer heute vor Erreichen der Regelaltersgrenze in den Ruhestand geht, erleidet für jeden Monat des verfrühten Ausstieges einen Abschlag auf die gesetzliche Rente von 0,3%. Und das ein Leben lang. Jeder zweite Beschäftigte im Handwerk kann sich nicht vorstellen, bis zur Regelaltersgrenze zu arbeiten.

 

„Mit 67 noch Räder und Getriebe stemmen, ist für viele unserer Kolleginnen und Kollegen nicht vorstellbar. Mit dem Tarifvertrag zum Ausgleich von Rentenabschlägen bieten wir den Beschäftigten nun einen fairen und finanziell vertretbaren frühen Ausstieg aus dem Arbeitsleben. So gelingt bei uns der Generationenwechsel“, ergänzt Stephan Klages, Betriebsrat im Autohaus Kühl.

 

Billigheimer

„Qualifizierte Arbeit, mit der auch die Kunden zufrieden sind, setzt voraus, dass die Bedingungen dafür stimmen. Das sehen allerdings viele Inhaber von Autohäusern leider nicht so. Statt auf gute Arbeit, setzen sie auf einen ruinösen Preiswettbewerb beim Kunden. Immer weniger Kfz-Betriebe halten sich bundesweit noch an Tarifverträge. Skandalös ist, dass die Innungen sich ihrer tarifpolitischen Rolle entziehen und sich aus dem Tarifgeschäft verabschiedet haben“, berichtet Alexander Reise vom IG Metall Vorstand. Das hat Folgen: Heute liegen die Einkommen im Handwerk rund 30 Prozent unter denen in der Industrie. Die Ausbildungsvergütungen sind nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung etwa 35 Prozent niedriger - schlecht für die Zukunft eines Betriebs in Zeiten von Fachkräftemangel, in denen Firmen händeringend Nachwuchs suchen.

 

Win-Win-Situation

Betriebe, die von der IG Metall mit dem Siegel „AutohausFAIR“ ausgezeichnet werden, können mit diesem Label um ihre Kunden werben. Dadurch entsteht eine Win-Win-Situation, denn diese Autohäuser wollen, dass ihre Mitarbeiter nicht nur arbeiten, sondern auch gut leben können. Und wer mit gutem Gefühl zur Arbeit kommt, sorgt auch für zufriedene Kunden. Im Verlauf des Jahres werden Auszeichnungen für weitere Autohäuser in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt folgen.

 

Gewusst wo
Unter der Überschrift „Autohaus fair - Mach mit. Finde Deine Region“ sind im Portal autohaus-fair.de auf einer Deutschlandkarte alle beteiligten Autohäuser aufgelistet, die sich zu Tarifverträgen bekennen, in denen es Betriebsräte gibt, die die Interessen der Beschäftigten vertreten können, und die außerdem - gute - Ausbildung anbieten.

 

So können nach den Namen der Werkstätten, nach Orten, Marken oder Umkreis in Kilometern gesucht werden. Zurzeit schon in Berlin, Brandenburg, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und demnächst auch Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Thüringen. Also: mitmachen.