IG Metall startet Kampagne "Gute Arbeit - gut in Rente"

• Rente mit 67 abschaffen • Flexibles Ausstiegssystem schaffen • Lebensstandard im Alter sichern

  • 30.07.2012
  • News, Presseinfos

Hannover - Der Lebensstandard der Beschäftigten wird sich in der Rentenphase deutlich verschlechtern. Kaum ein Beschäftigter wird bis 67 Jahren arbeiten können. Viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer müssen aufgrund der Arbeitsbedingung vorzeitig in Rente gehen und haben mit deutlichen Rentenabschlägen zu rechnen. Vor diesem Hintergrund beginnt die IG Metall im Vorfeld der niedersächsischen Landtagswahl und der Bundestagswahl 2013 ihre Kampagne "Gute Arbeit - gut in Rente".

Ziel der Kampagne ist es, die Abgeordneten auf die klar ersichtlichen Auswirkungen einer fehlgeleiteten Rentenpolitik aufmerksam zu machen und zum Umdenken zu bewegen. Es bedarf Arbeitsbedingungen, die es den Menschen erlauben, ohne gesundheitliche Schäden die Rentenphase zu erreichen und einen Rentenanspruch, der vor einem geringen Lebensstandard schützt. Zudem benötigen die Beschäftigten ein flexibles Ausstiegssystem aus dem Berufsleben.

 

"Die Absenkung des Rentenniveaus bis 2030 auf 43 Prozent eines Durchschnittseinkommens, die verlängerte Lebensarbeitszeit bis 67 Jahre und fehlende Möglichkeiten, aus gesundheitlichen Gründen aus dem Berufsleben auszusteigen, werden sich deutlich auf den Lebensstandard der Beschäftigten auswirken. Anstatt gegenzusteuern, ignorieren die Abgeordneten mit ihren guten Pensionsregelungen das Problem vieler Menschen und verharren in Untätigkeit", kritisiert Hartmut Meine, IG Metall-Bezirksleiter in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt.

 

Die Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie in Niedersachsen werden eine deutliche Reduzierung ihres Lebensstandards hinnehmen müssen:

Ein Produktionshelfer im Alter von heute 48 Jahren, der im Schichtbetrieb arbeitet und ein tarifliches Brutto-Monatsentgelt von 2.602 Euro erhält, wird eine zu versteuernde Rente von lediglich 1.082 Euro bekommen. Aufgrund des Tarifvertrages zum flexiblen Ausstieg aus dem Berufsleben, ist ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Beruf mit 60 Jahren möglich. Der Beschäftigte hat dann aber Rentenabschläge von 14,4 Prozent hinzunehmen.

 

Ein erfahrener Facharbeiter in Normalschicht im Alter von heute ebenfalls 48 Jahren mit einem Brutto-Monatsentgelt von 3.210 Euro erhält als Rentner rund 1.390 Euro brutto. Der Beschäftigte kann erst 2029 mit 65 Jahren in die passive Altersteilzeitphase gehen und mit 67 Jahren in die ungeminderte Rente.

 

Drastisch sieht es für Beschäftigte im tariflosen Niedrigentgeltbereich aus. Die Auswirkungen der Rentenkürzungen und der verlängerten Lebensarbeitszeit sind dramatisch: Ein Beschäftigter im Alter von heute 48 Jahren, der ein niedriges Stundenentgelt von 8,50 Euro erhält, wird eine Bruttorente von lediglich 565 Euro erhalten. Falls der Beschäftigte aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig in die Rente gehen muss, kann er dies frühestens mit 63 Jahren. Allerdings werden dann Abschläge von 14,4 Prozent erhoben.

 

Die Beispiele belegen, dass eine sozialpolitische Katastrophe droht, wenn die Politik nicht endlich gegensteuert und für eine solide Finanzierung des Rentenversicherungssystems sorgt. Eine kurzfristige Absenkung des Beitragssatzes, wie er derzeit von einigen Koalitionspolitikern in Berlin aus rein populistischen Gründen diskutiert wird, verschärft das Problem. Das alternative Finanzierungskonzept des DGB hingegen stellt die Finanzierung der Rentenversicherung auf eine solide Basis. Es sieht eine kontinuierliche Beitragssatzerhöhung von 0,2 Prozent bis 2030 auf dann 22 Prozent vor. Die Belastungen sind mit 26 Euro in 10 Jahren für die Versicherten ausgesprochen gering.

 

Die IG Metall-Kampagne "Gute Arbeit - gut in Rente" wird vor der Bundestagswahl die deutliche Verschlechterung der Rentengesetzgebung der vergangenen Jahre thematisieren. "Dabei werden wir von den Abgeordneten klare Aussagen zur zukünftigen Rente der Beschäftigten einfordern und diese auf den Prüfstand stellen", kündigte IG Metall-Bezirksleiter Meine an.

 

(Presseinformation Nr. 71 / 2012)

 

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