IG Metall fordert mehr Tarifverträge bei Entwicklungsdienstleistern

  • 20.11.2015
  • News

München - Die IG Metall hat sich gegen die zunehmende Auslagerung von IT- und Entwicklungsdienstleistungen (EDL) aus Kostengründen gewendet. "Wir sagen Ja zu Digitalisierung, wenn sie eine Demokratisierung bedeutet. Wir sagen aber entschieden Nein, wenn Arbeit 4.0 Ausbeutung bedeutet", sagte Christiane Benner, Zweite Vorsitzende der IG Metall, anlässlich der 7. Engineering- und IT-Tagung von Hans-Böckler-Stiftung und IG Metall am Freitag in München.

Die Gewerkschafterin warf den Arbeitgeberverbänden vor, mit schrankenloser Flexibilisierung und der Abschaffung des Acht-Stunden-Tages die Dinosaurier der Arbeitswelt wieder zum Leben erwecken zu wollen. Eine moderne Arbeitswelt brauche eine starke Mitbestimmung, um Arbeitsbedingungen im Rahmen der Digitalisierung von Industriearbeit in direkten und indirekten Bereichen zu gestalten.

 

Laut der diesjährigen Betriebsräte-Umfrage der IG Metall lagert jeder fünfte Betrieb Aufgaben der Arbeitsbereiche Forschung/Entwicklung und Engineering aus. Mit der Unternehmensgröße nehme die Arbeitsverlagerung zu, um Kosten zu sparen. In 73 Prozent der Verlagerungsfälle würden sich die Arbeits- und Entgeltbedingungen der Beschäftigten in Werkvertragsunternehmen überwiegend verschlechtern. Die IG Metall habe deshalb in der EDL-Branche ein Netzwerk aufgebaut, um Beschäftigte bei der Gründung von Betriebsräten zu unterstützen. "High quality und low cost - das passt nicht zusammen. Wir brauchen mehr Tarifverträge mit den IT- und Entwicklungsdienstleistern, um dem Lohn-Dumping innerhalb der Branche ein Ende zu setzen", sagte Benner.

 

Die IG Metall beruft sich auf eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung zur Verbreitung von Entwicklungsdienstleistern. Demnach wachse die Bedeutung dieser Unternehmen bei der Beteiligung an Innovationsprozessen der Industrie rasant. Allein in der Zeit von 2010 bis 2014 habe sich die Zahl der Beschäftigten in den 15 größten EDL-Unternehmen verdoppelt, aber auch die übrigen untersuchten EDL-Betriebe zeigten enorme Beschäftigungszuwächse. Aktuell arbeiten in Deutschland 94.000 Beschäftigte in 76 EDL-Unternehmen, die sich zunehmend international aufstellen. Das Portfolio der Engineeringdienstleistungen werde laut Studie wegen der Digitalisierung in Produkten und Prozessen um IT-Services und Personal-Services stark erweitert. Hauptkunden der IT- und Entwicklungsdienstleister sind mit großem Abstand Endhersteller und Zulieferer der Automobilindustrie. Aber auch in der Luft- und Raumfahrt- sowie in der Bahnindustrie haben diese Dienstleister an Bedeutung gewonnen.

 

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