Kfz-Tarifrunde Niedersachsen

Durchbruch im Kfz-Handwerk Niedersachsen

  • 10.05.2010
  • News, Presseinfos, Kfz-Handwerk

Hannover – IG Metall und Unternehmensverband des Kraftfahrzeuggewerbes Niedersachsen-Bremen haben nach fünfstündiger Tarifverhandlung am heutigen Montag (10. Mai) in Hannover einen Verhandlungsstand erzielt. Beide Seiten sind sich einig, dass der anstehende Strukturwandel im Kfz-Handwerk sozialverträglich gestaltet werden muss. Hierzu soll eine branchenweite Niedersächsische Transfergesellschaft für Kfz-Beschäftigte (NTK) zum 1. Juli 2010 gegründet werden. Davon profitieren sowohl Beschäftigte als auch tarifgebundene Betriebe in Niedersachsen und Bremen. Ziel der branchenweiten NTK ist es, den Beschäftigten Qualifizierungsmaßnahmen anzubieten und die Arbeitnehmer bei der Arbeitsplatzsuche zu unterstützen.

Wilfried Hartmann, IG Metall-Verhandlungsführer

Die Eckpunkte:

  • Gründung einer Niedersächsischen Transfergesellschaft für Kfz-Beschäftigte
  • Entgelte steigen um 4,3 Prozent in vier Schritten
  • Beschäftigungssichernde Maßnahmen vereinbart

„Mit der niedersächsischen Transfergesellschaft kann frühzeitig auf den Strukturwandel in der Branche reagiert werden. Beschäftigte in tarifgebundenen Betrieben in Niedersachsen und Bremen haben bei drohender Arbeitslosigkeit die Chance auf einen neuen Arbeitsplatz,“ so Wilfried Hartmann, IG Metall-Verhandlungsführer, am heutigen Montag in Hannover.
 
Der mit dem Unternehmensverband des Kraftfahrzeuggewerbes erzielte Verhandlungsstand beinhaltet eine Entgeltsteigerung von 4,3 Prozent in vier Schritten: Die Entgelte sollen zum 1. Juli 2010 um 0,6 Prozent und ab dem 1. Dezember 2010 um weitere 1,1 Prozent steigen. Ab Juli 2011 sollen die Entgelte um weitere 1,3 Prozent und ab April 2012 um nochmals 1,3 Prozent steigen. Zur Finanzierung der NTK sollen zusätzlich 2010 und 2011 jeweils 1,3 Prozent der Bruttolohn- und Gehaltssumme zur Verfügung stehen.
 
Zudem sieht der Verhandlungsstand beschäftigungssichernde Maßnahmen vor. Die Arbeitszeit soll weiterhin um 6 Stunden ohne Entgeltausgleich auf maximal 30 Stunden absenkt werden können. Die Betriebe haben die Möglichkeit, außer der konjunkturellen Kurzarbeit per freiwilliger Betriebsvereinbarung die Remanenzkosten, wie Urlaubsgeld und Sonderzahlungen, zu senken.
 
Im Gegenzug gilt für die Beschäftigten ein erweiterter Kündigungsschutz, betriebsbedingte Kündigungen sind während dieser Phase ausgeschlossen. Die Auszubildenden werden nach erfolgreicher Abschlussprüfung für 12 Monate übernommen.
 
Wilfried Hartmann bewertete den erzielten Verhandlungsstand positiv. „Die IG Metall konnte ihre ‚Drei-Komponenten-Forderung’ durchsetzen: Der Autofrühling hat den Betrieben eine gute Auftragslage beschert, von der die Beschäftigten einen angemessenen Anteil erhalten, und Entlassungen können kurzfristig aufgrund der beschäftigungssichernden Maßnahmen vermieden werden. Der mittelfristig anstehenden Strukturwandel in der Kfz-Branche kann über die Transfergesellschaft sozialverträglich gestaltet werden.“
 
Die Gremien der Tarifvertragsparteien werden bis zum 31. Mai 2010 über den aktuellen Verhandlungsstand informiert. Falls dem Verhandlungsstand zugestimmt wird, tritt der Tarifvertrag zum 1. Juni 2010 in Kraft.
 
Die Tarifverhandlungen mit der Tarifgemeinschaft der Innungen des Kraftfahrzeugtechnikerhandwerks beginnen am morgigen Dienstag (11. Mai). Wenn ein wertgleicher Verhandlungsstand erreicht werden kann, könnten nach Auffassung der IG Metall davon insgesamt rund 39.000 Beschäftigte in Niedersachsen und Bremen profitieren.

(Presseinformation Nr. 20 / 2010)

 

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