Menschenkette für die Zukunft der Jugend

800 Metallerinnen und Metaller demonstrieren

  • 30.09.2010
  • News, Jugend, Presseinfos, Studierende

Hannover – Mit einer „Menschenkette für Ausbildung – Studium – Übernahme“ haben rund 800 Auszubildende, Vertrauensleute und Betriebsräte der IG Metall aus ganz Niedersachsen auf die verfehlte Jugendpolitik hingewiesen. Der Protest richtete sich in erster Linie gegen die Landesregierung in Hannover sowie den Verband der Metall-Arbeitgeber. Eine knapp einen Kilometer lange Menschenkette vom Kultusministerium im Schiffgraben 12 bis zum Arbeitgeberverband NiedersachsenMetall im Schiffgraben 36 machte die Verantwortlichkeiten deutlich. Für über eine Stunde ab 14 bis 15.30 Uhr waren der Schiffgraben sowie die Berliner Allee für den Verkehr gesperrt. Anschließend forderte der IG Metall-Vize Detlef Wetzel auf der abschließenden Kundgebung am Emmichplatz von der Bundesregierung in Berlin eine Regulierung der Leiharbeit.

„Der Einstieg ins Berufsleben ist in den letzten Jahren immer steiniger und unberechenbarer geworden: Immer mehr junge Erwachsene müssen ihr Glück in den atypischen Beschäftigungsformen wie befristeten Arbeitsverhältnissen oder Leiharbeit suchen,“ sagte Hartmut Meine, IG Metall-Bezirksleiter für Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. „Diese Menschenkette ist ein Symbol für die verfehlte Politik der Arbeitgeber und der Niedersächsischen Landesregierung. Arbeitgeber und Politik tragen gemeinsam die Verantwortung für mangelnde Ausbildungs- und Berufschancen einer ganzen Generation.“

 

„Inzwischen arbeiten 56 Prozent der unter 25-Jährigen im Niedriglohnbereich. Wenn Praktika, Leiharbeit und befristete Jobs für junge Leute nicht mehr die Ausnahme sind, sondern die Regel, dann ist das unverantwortlich,“ kritisierte Detlef Wetzel, Zweiter Vorsitzender der IG Metall, die verfehlte Bildungspolitik für die junge Generation. Wetzel weiter: „Wenn Kinder aus Akademikerfamilien 83 Prozent der Studierenden stellen und Kinder aus Arbeiterhaushalten nur 23 Prozent, dann ist das eine Schande.“ Diese Schieflage werde durch Studiengebühren noch verschärft. Wetzel forderte den niedersächsischen Kultusminister Althusmann auf: „Nehmen Sie sich ein Beispiel an Sachsen-Anhalt – schaffen Sie die Studiengebühren ab!“

 

Während rund 17.000 junge Menschen in Niedersachsen einen Ausbildungsplatz suchen, verfehlen die Arbeitgeber 2010 erneut die tarifvertraglich zugesagte Anzahl von 1.000 zu schaffenden Ausbildungsplätzen in der Metall- und Elektroindustrie. Meine forderte die Arbeitgeber auf, endlich mehr Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen und benachteiligten Jugendlichen eine Perspektive zu ermöglichen. „Benachteiligte junge Menschen benötigen längere Ausbildungszeiten und keine kürzeren“, sagte Meine.

 

Ähnlich absurd wie die Arbeitgeber, so Meine weiter, agiere die Landesregierung in Niedersachsen: „Anstatt jungen Menschen eine gute Hochschulausbildung zu ermöglichen, bestraft sie Studierende mit Studien- und Verwaltungsgebühren von über 700 Euro. Da müssen Jugendliche bis zu 1500 Euro pro Jahr aufbringen. Gleichzeitig beklagen Arbeitgeber und Politik den drohenden Mangel an Fachkräften.“

 

Jennifer Hopert, die Vorsitzende der Jugend- und Auszubildendenvertretung der Salzgitter-Tochter SZST (Salzgitter Service und Technik), beklagte die Zustände an den Berufsbildenden Schulen in Salzgitter-Fredenberg, an denen junge Auszubildende aus fünf Großbetrieben von VW bis MAN und Bosch qualifiziert werden: „Die Fassade ist marode, die Fenster sind zugeschweißt und die Sanitäranlagen lassen mehr als zu wünschen übrig. Ein hoher Unterrichtsausfall und das Fehlen von Fachkräften spitzt die Situation weiter zu.“

 

Bezirksleiter Hartmut Meine kündigte einen stürmischen Protest-Herbst an. „Diese Menschenkette ist der Auftakt massiver Proteste gegen die Klientelpolitik der schwarz-gelben Bundes- und Landesregierung.“ Neben dem Sparpaket, der Rente mit 67, der Leiharbeit und der Gesundheitsreform, wird auch der Ausstieg aus der Atomenergie im Mittelpunkt der Großdemonstration am 6. November auf dem Opernplatz in Hannover stehen.

 

(Presseinformation Nr. 38 / 2010)

 

Mehr in Ton und Bild:

 

Bildergalerie von der Menschenkette...

Video zur Menschenkette...

 

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