Wirtschaftsdemokratie

Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise erfordert Umdenken!

Es ist unstrittig, dass wir uns 2008/2009 in der größten Wirtschafts- und Finanzmarktkrise seit Bestehen der Bundesrepublik befanden. Anders als in der Vergangenheit wirkte sich die Krise global aus und betrifft alle Branchen. Sie ist nicht auf ein Land beschränkt oder auf einen Kontinent. Es handelt sich nicht um eine isoliert zu betrachtende Automobilkrise, Stahlkrise oder Schiffsbaukrise. Es ist eine weltumspannende Krise, die alle relevanten Branchen akut betrifft.

Allein im IG Metall Bezirk Niedersachsen und Sachsen-Anhalt waren mehr als 60.000 Beschäftigte in Kurzarbeit (Mai/Juni 2009). Die Auftragsrückgänge waren massiv, in einigen Branchen sind die Aufträge um mehr als 40 Prozent zurückgegangen. Die Menschen mussten zum Teil deutliche Entgelteinbußen hinnehmen.

Von den Ende 2008 rund 700.000 Leiharbeitsbeschäftigten sind knapp die Hälfte von den Arbeitgebern entlassen worden. Kurzarbeit wird in diesem Bereich kaum genutzt. Die Krise hat die Leiharbeitsbeschäftigten zuerst getroffen.

Krisenbewältigung

Als Reaktion auf die Krise hat die IG Metall bereits im November 2008 ein Sieben-Punkte-Programm zur Krisenbewältigung veröffentlicht. Damit waren wir in die Verhandlungen über ein Konjunkturpaket II gegangen. Es ist erfreulich, dass einige Vorschläge der IG Metall von der Bundesregierung aufgriffen worden sind, wie zum Beispiel die Verlängerung des Kurzarbeiterbezuges oder die Abwrackprämie. Es ist aber zu bedauern, dass ein über Vermögende finanzierter Fonds bisher nicht auf den Weg gebracht worden ist.

Wirtschaftsdemokratie

Neben Konjunkturprogrammen stellen sich angesichts der Wirtschafts- und Finanzmarktkrise aber auch grundlegende Fragen über die Gestaltung des Wirtschaftssystems.

Über Jahre wurde von zahlreichen Propheten die Grundsätze der neoliberalen Marktwirtschaft und des Shareholder-Value-Kapitalismus gepredigt. Dynamische Finanzmärkte wurden als Schlüssel zu mehr Wachstum und Prosperität ausgerufen. Wer für eine stärkere staatliche Regulierung der Finanzmärkte, für staatliche Beteiligung an Banken oder gar für die Enteignung von Banken aussprach, wurde in der politischen Debatte marginalisiert. Wer die Beteiligungen des Staates und die besondere Form der Mitbestimmung bei Volkswagen oder bei der Salzgitter AG als Modell für die Gesamtwirtschaft propagierte, wurde diffamiert. Und wer die Investmentbanken kritisiert und die öffentlich-rechtlichen Sparkassen als Erfolgsmodell bezeichnet hätte, wäre verlacht worden. Das geht heute nicht mehr. Es muss umgedacht werden!

 

Mehr: 

Einführung in das Thema "Demokratisierung der Wirtschaft"

 

Das Buch zum Thema

Herausgegeben von Hartmut Meine, Michael Schumann und Hans-Jürgen Urban

 

Die große Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise 2008/2009, das Erdbeben, der Tsunami und die atomare Kernschmelze in Japan sowie die fortschreitende Erosion repräsentativer Demokratien zeigen eine Welt im Umbruch. Die AutorInnen bieten eine Debatte über eine Demokratisierung der Wirtschaft - über neue Formen nachhaltiger Wirtschaftssteuerung und über den Ausbau sozialer Demokratie, die alte Machtstrukturen überwindet und Selbstbestimmung stärkt.

 

"Der Neoliberalismus hat sich als schlichte Ideologie erwiesen. Eine demokratische Wirtschaftsordnung ist eine Alternative zum Finanzmarktkapitalismus. Gerade für Gewerkschaften gilt: Wir müssen mehr Wirtschaftsdemokratie wagen," schreiben Hartmut Meine und Uwe Stoffregen in ihrem Beitrag.

IG Metall-Mitglieder, die das Buch erwerben wollen, können sich bei ihrer
Verwaltungsstelle vor Ort
oder bei der

Bezirksleitung

melden.

 

 

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