SACHSEN-ANHALT
Im August 2010 hat die IG Metall die Info-Kampagne "Du bist mehr wert!" in Sachsen-Anhalt gestartet: An allen Schulen wird ein sechsseitiger Flyer für die rund 10 000 Jugendlichen verteilt, die sich für einen Ausbildungsplatz bewerben wollen. In dem Flyer werden die Jugendlichen über ihre Rechte informiert, nicht unter Tarif eine Ausbildung zu beginnen:
Seit 2009 gibt es erstmals mehr Ausbildungsplätze als Bewerber.
Im Schnitt wird in Westdeutschland immer noch besser verdient
als in den neuen Bundesländern. In der Metall- und Elektroindustrie
Sachsen-Anhalts sieht das anders: Teilweise liegen die Vergütungen für
Auszubildende (etwa im 4. Jahr) sogar noch höher als in anderen
Regionen in den alten Bundesländern.
Das ist auch nötig. Denn aufgrund der geburtenschwachen Jahrgänge
und der Abwanderung von jungen Menschen in die westlichen und
südlichen Bundesländer haben die Betriebe in Sachsen-Anhalt zunehmend
Probleme, junge und engagierte Azubis zu finden. Mittlerweile gibt es mehr
freie Ausbildungsstellen als Bewerber. 2010 wird es in Sachsen-Anhalt nur
noch 16 000 Schulabgänger geben. Davon werden knapp 11 000 einen
Ausbildungsplatz suchen (die anderen studieren zum Beispiel). Die
geburtenschwachen Jahränge sorgen für diese günstige Ausgangslage. Das
bedeutet: Endlich haben Jugendliche wieder eine Chance, eine Perspektive,
eine Zukunft.
Nur 20 Prozent der Unternehmen bilden überhaupt aus. Jetzt rächt sich, dass in den letzten Jahren viel zuwenig ausgebildet wurde. Folge: Die Politik schritt ein und schuf eine Vielzahl von außerbetrieblichen Ausbildungsgängen. Viele von ihnen aber liegen weit unter den gültigen, tariflichen Bestimmungen. Und oft auch unter den Bestimmungen des Berufsbildungsgesetzes (BBiG). Und das BBiG schreibt eine »angemessene Vergütung« vor, die laut einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts von 1991 nicht unter »80 Prozent« des örtlichen Tariflohnes liegen darf. Bei außerbetrieblichen Ausbildungsstätten sind noch größere Abweichungen möglich. Es gibt sogar Ausbildungsgänge, die mit einem Taschengeld von unter 200 Euro im Monat bezahlt werden.
In der Metall- und Elektroindustrie Sachsen-Anhalts erhält ein Auszubildender genau 735 Euro brutto im Monat. Im zweiten Jahr sind es bereits 800, im dritten 869 und im vierten Ausbildungsjahr 929 Euro. Ab 1. April 2011 steigern sich die Vergütungen durch von der IG Metall bereits im Frühjahr 2010 durchgesetzte Tariferhöhungen auf 755, 821, 893 und 954 Euro.
Die IG Metall rät den Ausbildungsplatzbewerbern, unbedingt einen tarifgebundenen Ausbildungsbetrieb zu suchen:
"Tarifverträge gelten nur für Mitglieder der IG Metall. Im Betrieb kannst Du
Mitglied werden. Wende Dich an den Betriebsrat. Ist der Betrieb nicht im
Arbeitgeberverband, frage nach, ob er auch die 735 Euro im Monat zahlt. Wenn nicht, muss er mindestens 588 Euro zahlen. Das Gesetz schreibt als
Untergrenze mindestens 80 Prozent des Tarifs vor. Und das sind in diesem
Fall 588 Euro. Fange also nirgendwo eine Ausbildung an, für die weniger als
588 Euro gezahlt wird."
Weitere Informationen siehe Flyer:
- Dateien:
Du_bist_mehr_wert_Flyer_LSA.pdf







